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Target Costing

Target Costing

Target Costing wurde entwickelt, um die Kostensituation bereits in der Definitionsphase zu erfassen und zu bewerten. Ziel ist die konsequente Ausrichtung der Produktkosten am Kundennutzen (Beispielprojekt zu Target Costing).

Das Prinzip von Target Costing: Die Kosten des Produktes werden direkt an dem für den Kunden wahrnehmbaren Nutzen gespiegelt. Kosten und Nutzen werden gegenüber gestellt und systematisch in vier Richtungen optimiert:

– Kosten senken bei gleicher oder höherer Leistung
– Leistung erhöhen bei gleichen oder niedrigeren Kosten
– Kosten und Leistung reduzieren
(Kosten stärker als die Leistung)
– Kosten und Leistung erhöhen
(Leistung stärker als die Kosten)

Die Stärke von Target Costing zeigt sich sowohl bei der Neuentwicklung, als auch bei der Weiterentwicklung oder Übearbeitung von Produkten und Systemen. Target Costing basiert auf einer konsequenten Kundenorientierung, sowohl hinsichtlich des Preises als auch hinsichtlich kundenspezifischer Produkteigenschaften oder Produktfunktionen. Die Vorgehensweise wurde bereits in den 1970er Jahren entwickelt und erfuhr besonders in den 1990er Jahren eine breite theoretische Fundierung in der westlichen Betriebswirtschaftslehre.Target Costing kann dazu genutzt werden unterschiedliche Zielsetzungen zu verfolgen. Leitlinie beim Target Costing sind die Zielkosten. Die Zielkosten sind in Form einer Zielkostenrechnung zu ermitteln und festzulegen (siehe Zielkostenrechnung).

Die Vorteile von Target Costing liegen in dem bereichsübergreifenden Kostenverständnis und der Kostentransparenz in Kombination mit konsequenter Kundenorientierung. Wesentliche Basis dazu ist das  Verstehen der Anforderungen des Kunden oder der unterschiedlichen Kunden. So hat beispielweise der Hersteller von Konsumelektronik unterschiedliche Kundengruppen (Endkunden, Großhändler, Installateure, Elektronikmärkte) mit uneinheitlichen Interessen und Anforderungen. Diese unterschiedlichen Anforderungen sind im Vorfeld zu analysieren und zu gewichten. Dies kann beispielsweise mit einem paarweisen Vergleich erfolgen.

Target Costing – Beispiel

Nachfolgend ist die Vorgehensweise am Beispiel eines Satellitenempfängers dargestellt. Zunächst werden die wichtigsten für den Kunden direkt oder indirekt wahrnehmbaren Funktionen des Produktes aufgeschlüsselt:

  • Satellitensignal verstärken
  • Satellitensignal aufbereiten
  • Satellitensignal demodulieren
  • Videosignal aufbereiten
  • Audiosignal aufbereiten
  • Netzenergie wandeln
  • Funktion fern bedienen
  • Installation und Bedienung erläutern

Im nächsten Schritt des Target Costing werden die Funktionen des Produktes „gewichtet“. Die Gewichtung der Funktionen erfolgt aus Kundensicht und gibt an, wie hoch das Gewicht der einzelnen Funktion für den Kunden ist.

Dazu ist es notwendig, eine konkrete Kundengruppe, möglicherweise sogar einen konkreten Anwendungsfall zu betrachten und die einzelnen Funktionen aus Kundensicht zu bewerten. Denn die Bewertungen können stark voneinander abweichen (z. B. bei bei einer Kundengruppe im Premiumsegment gegenüber einer Kundengruppe im Niedrigpreissegment).  Die Bewertung kann mit Hilfe der Nutzwertanalyse erfolgen.

Danach werden die einzelnen Baugruppen des Satellitenempfängers im Hinblick auf ihre Kosten analysiert (Target Costing – Kostenanalyse).

  • Audiogruppe
  • Modulator
  • SAT Tuner
  • Videobaugruppe
  • Netzteil
  • Stecker
  • Fernbedienung
  • Kabel
  • Bedienungsanleitung

Im letzten Schritt werden die Baugruppen den Funktionen des Satellitenempfängers gegenüber gestellt. In einer Matrix wird aufgetragen, wie hoch der Grad der Erfüllung einer Baugruppe an der Erfüllung der jeweiligen Funktion ist (Target Costing – Funktionserfüllung der Baugruppe).

Mit den oben genannten Schritten besteht ein vollständiger numerischer Bezug zwischen den Kundenanforderungen und den Kosten der Baugruppe. Dieser Zusammenhang ist in der Grafik auf der rechten Seite dargestellt. Die prozentuale Verteilung der Kosten ist auf der Y-Achse dargestellt. Die prozentuale Verteilung des Kundennutzens ist auf der X-Achse aufgetragen.

Baugruppen, die oberhalb der Diagonalen liegen sind in Bezug auf den Kundennutzen zu teuer. In dem Beispiel muss geprüft werden, ob die Audiobaugruppe und der Modulator für den konkreten Einsatzfall überdimensioniert sind.

Baugruppen, die unterhalb der Diagonalen liegen, sind in Bezug auf den Kundennutzen zu „günstig“. Hier besteht in der Regel die Möglichkeit den Kundennutzen mit geringem Aufwand wahrnehmbar für den Kunden zu erhöhen.

Mit Target Costing werden die Kosten auf Baugruppenebene direkt dem Nutzen für den Kunden gegenübergestellt. Damit kann jede Produktentscheidung direkt an dem Nutzen für den Kunden gespiegelt werden. Die Beteiligten am Produktprozess haben damit ein Maximum an Nachvollziehbarkeit und Transparenz bei Produktentscheidungen (siehe Beispielprojekt zu Target Costing).