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Nutzwertanalyse

Die Nutzwertanalyse ist ein Verfahren zur  Bewertung von unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten. Alternative Begriffe: Nutzwertrechnung, Nutzwerttabelle, Punktbewertungsmodell, Punktwertverfahren, Pugh-Decision-Matrix oder Scoring-Modell.

Sie dient dazu die beste Lösung zu ermitteln. Dazu sind zunächst Kriterien festzulegen, mit denen die Lösungen bewertet werden.

 

Folgende Kriterien können beispielsweise zur Bewertung von
Ideen für neue Produktkonzepte verwendet werden:

  • Erfüllung der Produktanforderungen (Zielerreichung)
  • Einhaltung der Kosten (Entwicklungs- und Herstellkosten)
  • Produzierbarkeit (Risiken bei der Herstellung)
  • Termineinhaltung (zeitliche Risiken bei der Entwicklung)
  • Risiko der Umsetzung (Risiken bei der Vermarktung)

Gewichtung der Kriterien

Jetzt werden Sie wahrscheinlich anmerken:
„Die Kriterien sind doch nicht alle gleich wichtig!“
Genau deshalb ist es sinnvoll die Kriterien zu gewichten.

Ein sehr einfaches Verfahren, um Kriterien zu gewichten ist der
paarweise Vergleich (siehe Paarweiser Vergleich, Pugh-Matrix).

 

Schritte der Nutzwertanalyse

Zum Vorgehen sollten folgende Schritte durchlaufen werden.
Bitte denken Sie daran, die Ziele der Entscheidung genau
festzulegen.

  • Ziele der Entscheidung möglichst genau festlegen
    „Was wollen wir erreichen?“
  • Kriterien und MUSS-Kriterien zur Bewertung zusammenstellen
    „Was ist uns wichtig?“
    „Was sind MUSS-Kriterien?“
  • Kriterien gewichten (z. B. mit paarweisem Vergleich)
    „Welche Kriterien haben welche Bedeutung?“
    „Was ist uns besonders wichtig?“
  • alle alternativen Lösungen auflisten und dokumentieren
    „Welche Alternativen bieten sich?“
    „Sind die Lösungen durchdacht und vollständifg beschrieben?“
  • Lösungen bewerten und optimieren
    „Welche Lösung hat welche Vorteile?“
    „Welche Lösung hat welche Nachteile?“
    „Gibt es eine weitere Lösung, die noch mehr Vorteile bietet?“
  • Favorisierte Lösung festlegen
    „Deckt sich die Bewertung mit meinem Bauchgefühl?“
    „Habe ich gravierende Bedenken gegenüber der ausgewählten Lösung?“
    „Ist die Lösung wirklich gut und stimmig?“
    „Welche Auswirkung hat es, wenn ich (noch) keine Entscheidung treffen kann?“

Wenn Sie sich am Ende der Entscheidung nicht wirklich sicher sind,
überdenken Sie die Lösung noch einmal. Vielleicht haben Sie einen
wichtigen Aspekt übersehen. Dennoch: Am Ende des Tages müssen
Sie eine Entscheidung treffen!

Anwendungsbereiche

Die Nutzwertanalyse hat ein sehr breites Anwendungspektrum. Sie kann sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld eingesetzt werden:

  • Entscheidung über die Investition von Anlagen
  • Entscheidung über einen Unternehmensstandort
  • Entscheidung über alternative Produktkonzepte
  • Entscheidung über alternative Heizkonzepte
  • Entscheidung über den Urlaubsort
  • Entscheidung über die Gestaltung des Gartens

 

Beispiel Nutzwertanalyse

In einem Entwicklungsprojekt liegen zwei unterschiedliche Lösungsansätze zur Realisierung einer bestimmten Aufgabenstellung vor: „Lösung A“ und „Lösung B“. Beide Lösungen werden nun gegenüber gestellt und bewertet.

 

Nutzwertanalyse Beispiel

Nutzwertanalyse Beispiel

In der Spalte „Bewertung“ der Tabelle auf der rechten Seite sind die beiden Lösungen nach folgendem Schlüssel bewertet.

  • Lösung erfüllt das Kriterium optimal                  3
  • Lösung erfüllt das Kriterium mittelmäßig          2
  • Lösung erfüllt das Kriterium überhaupt nicht   1

Die Bewertung wird anschließend mit dem Gewicht des Kriteriums multipliziert. Die gewichteten Bewertungen werden aufsummiert (Spaltensumme). Die Gesamtbewertung ergibt für „Lösung A“ 2,05 und für „Lösung B“ 1,95.

Selbstverständlich kann die Bewertungsskala auch anders gewählt werden, wie zum Beispiel „9“ für die optimale Erfüllung, „3“ für die mittlere Erfüllung und „0“ für die geringe Erfüllung. Damit ergibt sich eine deutlich größere Spreizung der Ergebnisse.

 

 Vorteile

Der Vorteil der Nutzwertanalyse liegt nicht nur in der besseren Transparenz und
Nachvollziehbarkeit bei der Entscheidungsfindung. Er liegt auch darin, dass die
Argumente zur Entscheidung nachvollziehbar und nachprüfbar sind.

Und noch zwei Vorteile: Der Bewertungsprozess an sich führt oft zu neuen
Erkenntnissen und gelegentlich zu weiteren Lösungsideen, um die Produkte
weiter zu verbessern. Die systematische Bewertung fördert das Verständnis
für die meist komplexen Gesamtzusammenhänge.

Grenzen der Nutzwertanalyse

Die Grenzen der Nutzwertanalyse liegen bei der Bewertung in Form von Punkten. Hier werden ganz unterschiedliche Kriterien unter einander abgewogen. So kann es durchaus sinnvoll sein bestimmte Ausschluss-Kriterien (KO-Kriterien, Musskriterien) festzulegen. Jede Lösung muss
zumindest alle Musskriterien erfüllen.

Wenn es Ihnen wichtig ist, die Kundenanforderungen optimal zu erfüllen, dann sollten Sie das als Musskriterium festlegen. Also nur Lösungen bewerten, die die Kundenanforderungen optimal erfüllen.

Ein hohes „Risiko der Umsetzung“ kann später gravierende Auswirkungen mit sich bringen. Wenn Sie eine Lösung mit hohem Risiko der Umsetzung verfolgen, sollten Sie gewappnet sein, wenn diese Lösung endgültig scheitert. Planen Sie in diesem Fall immer eine alternative Lösung mit ein.

Die Nutzwertanalyse berücksichtigt nicht die finanziellen Auswirkungen einer Entscheidung. Bei wichtigen Produktentscheidungen sollten die  Auswirkungen so weit als möglich auch monetäre bewertet werden. Schließlich handelt es sich dabei unter Umständen um Entscheidungen die maßgeblich die Zukunft des Unternehmens beeinflussen.

Gemeinsam mit der MAN Truck & Bus AG hat Innovation & Results eine Methode zur monetären Bewertung von technischen Lösungen in der Konzeptphase entwickelt (siehe Projektbeispiel Bewertung von technischen Lösungen – Nutzwertanalyse).